Meinung: Ein Krieg um den Fußball – und Infantino kann ihn nicht gewinnen
Fifa-Präsident Gianni Infantino will mit einem Investorendeal noch mehr Geld verdienen. Doch die Uefa bietet dem Fifa-Boss endlich die Stirn. Und lässt den Konflikt eskalieren.Gianni Infantino spielt gerne das Fähnchen im Wind. Als US-Präsident Donald Trump den Fifa-Chef anrief, um eine rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zurückzunehmen, unterstützte Infantino den Antrag seines Kumpels – und erwies dem Sport damit einen Bärendienst. Als Saudi-Arabien sich für die Austragung der WM 2034 bewarb, verwarf die Fifa kurzerhand die Regelung, keine Doppelvergaben mehr für Weltmeisterschaften vorzunehmen.Doch der Wind, der Infantino nun entgegenbläst, wird zum Sturm. Er heißt Uefa und hat von den Machenschaften Infantinos endgültig genug. Die Pläne, die Fußball-Weltmeisterschaft zukünftig in eine eigene Gesellschaft zu verlagern und Anteile davon an private Investoren zu verkaufen, lässt den Geduldsfaden beim europäischen Fußballverband reißen. Die Drohung, nicht mehr an Wettbewerben des Weltverbands teilnehmen zu wollen, sollte die Fifa ihre Investorenpläne fortsetzen, ist nichts anderes als eine Kriegserklärung. Und diesen Krieg kann und darf Infantino nicht gewinnen.„Die Position Europas ist klar. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat die moralische Autorität, das zu verkaufen, was er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwahrt“, heißt es unter anderem im Statement, das die 55 europäischen Mitgliedsländer gemeinsam abgaben. Es ist die Eskalation, die sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet hat. Uefa-Boss Aleksander Čeferin hatte Mitte Juni die Vergrößerung der Weltmeisterschaft auf 48 Teams als „Marketing-Gag“ bezeichnet und den Weltverband für die horrenden Ticketpreise scharf kritisiert. Auch das enge Verhältnis zwischen Trump und Infantino nahm er in slowenischen Medien ins Visier, vor allem den Friedenspreis, den Infantino kurzerhand ins Leben rief und an Trump verlieh: „Es ist etwas peinlich, den Preis an jemanden zu verleihen, der einen Monat später einen Präsidenten entführt und kurz darauf einen anderes Land angreift.“ Folgerichtig blieb Čeferin auch dem WM-Finale unbegründet fern, was den wachsenden Konflikt mit der Fifa unterstrich.Eine WM ohne Europa? UnattraktivEuropas Drohung wird für Infantino zum Problem. Die Uefa stellt sechs der letzten acht Fußball-Weltmeister, nur 1930 war im WM-Finale kein Team aus Europa vertreten. Mit Marokko und Argentinien kamen nur zwei der acht Viertelfinalisten bei der WM 2026 nicht aus Europa. Mit der Abwesenheit von Spanien, Frankreich, England, Portugal oder auch einem wettbewerbsfähigen deutschen Team würde der Weltverband gleich mehrere Zugpferde verlieren – die WM würde in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Dazu kommt neben der Endrunde 2030, die unter anderem in Spanien und Portugal stattfinden soll, auch die Frauen-WM, die bereits im kommenden Jahr in Brasilien ausgetragen wird – und ohne die europäischen Teams ebenso an Stellenwert verliert.Die Pläne Infantinos waren erst am Dienstag öffentlich geworden, verbunden offensichtlich mit einer Deadline für die Verbände, um ihnen zuzustimmen. Als Prämie für eine Zusage versprach die Fifa jedem Verband 40 Millionen Euro, bei einer Ablehnung nur zehn Millionen Dollar. Was nach Bestechung klingt, erinnert auch an alte Zeiten bei dem Weltverband, bei dem die WM-Vergaben unverhohlen mit Geldkoffern erkauft wurden. Infantino bezeichnete den Plan als „ein Vorschlag, ein Angebot, Teil eines demokratischen Beratungsprozesses“, doch ist das noch Demokratie, wenn man den Partnern die Pistole auf die Brust setzt?Uefa unterstellt Infantino „schwerwiegendes Versagen“Dass die Pläne im Geheimen ohne Konsultation der Verbände ausgearbeitet wurden, sei unverantwortlich und unvertretbar, kritisierte die Uefa in ihrer Stellungnahme und unterstellte Infantino ein „schwerwiegendes Versagen“. Selten hat es ein Verband gewagt, den allmächtig wirkenden Fifa-Boss so zu kritisieren. Selten stand ein Fifa-Boss so sehr mit dem Rücken zur Wand – zumal auch die Verbände aus Nordamerika und der Karibik sowie aus Asien scharfe Kritik an den Plänen übten.Und doch hätte Infantino kommen sehen müssen, dass geheim geschmiedete Pläne bei den Europäern nicht sonderlich gerne gesehen werden. Als zwölf europäische Vereine 2021 völlig überraschend die Gründung einer von Investoren gestützten Super League außerhalb der Uefa ankündigten, erklärte die Uefa, dass die beteiligten Teams von allen anderen Wettbewerben ausgeschlossen würden. Schnell war für viele Vereine das Projekt Super League begraben, mit Real Madrid, dem letzten Verein, der sich für die Gründung einsetzte, einigte man sich im Februar auf ein Ende des Projekts.Nun sollte man die Uefa definitiv nicht zu früh als letzte moralische Instanz des Fußballs feiern. Die Ausweitung von Champions und Europa League bei den Vereinen sowie die Einführung der Nations League für die Nationalmannschaften entstanden nicht aus der reinen Liebe zum Sport. Doch als Retter des Sports darf man den europäischen Fußballverband in diesen Tagen gleichwohl bezeichnen. Die Fifa muss die Pläne nun beerdigen. Welcher Investor würde sich schon ernsthaft für eine WM ohne europäische Teams interessieren?
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